Und Sie Tanzten Mit Den Kojoten

Wenn die Sonne ihre ersten Strahlen über den weis glitzernden Bergspitzen der Sierra Nevada schickt, die letzte Schleiereule leise in ihr Nachtquartier fliegt, die ersten Bachstelzen sich für ihren Ausflug sammeln und ich die absolute Stille höre, weis ich, dass ein Jahrelanger Traum zur Wahrheit wurde.

Als wir im September von dem Stadtlärm in Sacramento fünfzig Meilen nördlicher aufs Land zogen, konnte ich nur ahnen wie sich das Landleben für unsere beiden Labradors, Wotan und Diva, gestalten würde.

Gleich am nächsten Morgen unseres Umzugs machte ich, trotz dem Durcheinander von Schachteln und wahllos herumstehenden Möbeln, einen sehr langen Spaziergang mit Wotan und Diva. Ich wollte den Beiden die flachen 380 Acker Wiesen und Felder, südlich, westlich und östlich von unserem Haus, als ihr Territorium vorstellen.

Auf unserem Nachhauseweg, nur noch eine halbe Meile zum Haus, fanden wir unter anderen aufregenden Hunde-Plätzen, einen Bach. Eine Sekunde später war Wotan und Diva vom Instinkt getrieben im Wasser. Eine weitere anscheinend große Aufregung war im selben Moment voll im Gange. Die beiden bellten und wedelten freudig aber ich konnte nicht sehen warum. Interessiert machte ich ein paar Schritte näher im sumpfigen Bachufer und sah den Grund. Ein Biber saß auf seinem Bau; ohne ein Anzeichen von Angst von den Hunden. Wotan, den wir auch liebevoll Holzkopf nennen, animierte den Biber zum Spielen, aber dieser verstand leider Wotans Einladung nicht. Mit einem Pfiff holte ich sie aus dem Wasser. Meine leisen Worten „sorry he don’t like to play“ trösteten beide.

Wir drei, ich dreckig bis zu den Knien und meine Zwei schwarzen Labradors grau/braun vom Schlamm, einschließlich der Nase, wanderten heimwärz. Ich, schon leicht müde trottete Richtung Haus. Die Beiden aber, immer noch voller Energie, rollten und tollten die letzten fünfhundert Fuß (ca. 800 Meter) auf der Wiese.

Von dem Tag an konnte man täglich zwei Labradors wie zwei schwarze Punkte auf einer der vielen Wiesen springen, spielen und Mäuse fangen sehn, die sie mir dann stolz, und manchmal noch lebendig, im Maul mit nach Hause bringen.

Seit einem Monat, pünktlich jedem Morgen um sechs Uhr verlassen Wotan und Diva das Haus. Seite an Seite besuchen für Stunden ihre Lieblingsplätze. Dann sehe ich die Beiden nur, wenn sie Hunger haben, ihren Mittagsschlaf im Haus halten wollen, oder es zu heiß in der Kalifonischen Wintersonne wird.

Gegen Abend, wenn ich sie mal nicht irgendwo in der Ferne sehen kann, pfeife ich durch die Finger. Ohne große Eile trotteln die beiden dann Richtung heim.

Sogar die Dorfbewohner, das Dorf liegt eine Meile westlich von uns, kennen Wotan und Diva. Einmal wurden Sie von einem Farmer nach Hause gebracht, der besorgt meinte, dass sie doch heute zu Hause bleiben sollten, da Entenjagd sei und er Gäste-Jäger eingeladen habe.

In der Zwischenzeit, ungefähr ein Monat nach unserem Einzug, hatte sich etwas für mich unglaubliches ereignet.

Seit zwei Wochen hören wir die Kojoten in der Nacht heulen. Ich, mit meinem menschlichen Verstand und eingebläutem Mistrauen erheilt eines Morgens eine Lektion in, „Güte Der Natur.“

Kurz nach Sonnenaufgang, Wotan und Diva hatten gerade wie jeden Morgen das Haus verlassen, als ich ihr spielerisches bellen hörte. Natürlich musste ich sehen was es schon wieder Neues gibt. Im noch leicht bläulichen Morgenlicht und im sanften im Frühnebel getaucht sah ich meine beiden Hunde fünfhundert Meter vom Haus mit zwei anderen Hunden spielen. Beeindruckt sah ich für ein paar Minuten zu. Es war ein Hin und Her; einer sprang über den Anderen, hin und wieder standen sie aufrecht und es sah aus als ob zwei Hunde tanzten.

Ich wollte mir die beiden Hunde genauer ansehen und Pfiff Wotan und Diva zum Rückzug, in der Hoffnung die beiden Anderen beiden mit kommen würden. Diese aber bleiben ca 300 Meter vom Haus entfernt stehen. Als Wotan und Diva schon auf halben Weg zum mir war, drehte sich Wotan um und bellte einmal. Die zwei neuen Spielgefährten verstanden und folgten ihm, wenn auch zögernd. Ich ging schnell ins Haus um Leckerli für alle Vier zu holen.

Wotan und Diva waren schon an der Türe aber die Beiden anderen Hunde blieben beim Walnussbaum stehen. Plötzlich wurde ich steif vor Angst, die Leckerlis vielen mir aus der Hand als ich sah, dass die zwei Hunde, zwei Kojoten waren.

Holzkopf sah nur die heruntergefallenen Leckeries, drehte den Kopf und bellte in die Richtung der beiden eine Einladung zum fressen zu. Sie kamen aber nicht.

Als wieder leben in meine steifen Glieder kam, schloss ich meinen noch immer offenen Mund und sagte laut, das darf doch nicht wahr sein. Gleichzeitig fühlte ich etwas, das mit Worten nicht zu beschreiben ist; eine innere Stille und unendliche Zufriedenheit.

In diesem Augenblick habe ich gelernt, wie begrenzt wir Menschen doch mit unserem vielgepriesenen logischem Verstand sind der oftmals unserem Glück im Weg steht. Ohne Worte habe ich begriffen, dass die Natur keine Fehler macht, sondern, das Fehler machen ist das Privileg des denkenden Menschen ist. Tiere profitieren noch immer von dem natürlichen Rhythmus der nicht gewalttätig ist. Das Wort Gewalt fand ihren Ursprung und Verwendung in der Unmenschlichkeit. Ein Tier wird sich immer nur das nehmen was es braucht, verteidigt und beschützt was zum überleben wichtig ist, damit deren Nachkommen ohne Gefahr erwaschen werden können.
Wir aber, der intelligente logisch denkende Mensch, braucht nicht nur und er nimmt rücksichtslos was er „WILL“ und ist in der Lage dafür alles zu zerstören, sogar unsere Nachkommen.

Seit dem Tag kommen die beiden Kojoten regelmassig zum Walnussbaum, heulen einmal um Wotan und Diva für ein Spiel für Stunden einzuladen. Mein Mann und ich halten Wotan und Diva nicht zurück, weil wir verstanden haben nicht länger das natürlichste zu kontrollieren, sondern den Freiraum zu geben den wir alle, Tiere und Menschen brauchen um Glück zu erleben.

Zurück zu Artikel auf Deutsch