Das Trauma der Vergangenheit lebt weiter

Beitrag zur Diskusion: Lernen aus der Geschichte vom 02.04.2005

Lernen aus der Geschichte?
Was haben wir wirklich aus der Vergangenheit gelernt? Nichts, sonst würden wir diese brutalen und menschenentwürdigenden Methoden nicht wiederholen. Es sind immer Menschen die körperliche und mentale schmerzen verursachen und letztendlich sich das Recht zu Töten geben. Wie wiederholen wir Gewalt, was ist unmenschlich, sind die Fragen, die nur von denen verstanden werden können, die Gewalt erlebten und diese nicht verleugnen. Ob es die Zeugen der Zeit sind oder Menschen späterer Generationen, die durch Filme auf die brutale Vergangenheit einer unfassbaren Unmenschlichkeit hinweisen – sie bleiben letztendlich hilflos in der Frage nach dem „Warum“ stecken. Der Schauspieler Sean Penn sagte: „”Ich habe mich immer mit dem Thema Schmerz und Gewalt beschäftigt, mit dem Holocaust, der deutsch-österreichischen Vergangenheit und mit dem Thema Kindesmisshandlung.”

Ich hingegen frage: wie entsteht Gewalt und was sind die Wurzeln der Unmenschlichkeit? Gewalt in jeder Form ist so alt wie die unterdrückte und misshandelte Menschheit selbst, die durch Gewalt den Bezug zur Menschlichkeit verlor. Wenn wir die Weltgeschichte ohne Voreingenommenheit analysieren, erkennen wir einen Hitler in jeder Episode and bei allen Völkern. Die Frage, warum immer wieder ein „Hitler“ erwachen kann, wird nicht gestellt.

Wenn wir gewillt sind die Wahrheit zu sehen und uns diese Realität zunutze machen wollen, sollten wir im Erbe, das Hitler hinterlies, nicht nur ein einmaliges Gewalt-Exekutionsmuster erkennen, sondern auch die Ursache, die Gewalt möglich macht erkennen, nämlich dass diese durch lernen von frühester Kindheit an, genau wie kulturelle Gepflogenheiten eine Prägung sind und wie ein Erbe an die Nächste Generation weiter gegeben wird. Im Gegensatz zum mittelalterlichen glauben, dass Gene die Ursache für Gewalt sind, stimme ich den mittlerweile bekannten Forschungsergebnissen zu, die beweisen das erfahrene/erlebte Gewalt sich im Gehirn als Verhaltensmuster manifestiert. Wenn keine Heilung dieser mentalen Wunde stattfindet und keine Aufklärung was Gewalt ist, entwickelt sich dieser Imprint zum blue print.

Die Meinungen wie man Kinder erzieht, gehen schon auseinander, wenn es zu Prügelstrafe kommt. Die, die Prügelstrafe befürworten haben Erklärungen wie, „es hat mir auch nicht geschadet“ oder „man muss doch Grenzen setzen oder „Eltern sind nun mal in der Hierarchieliste oben und müssen diese Position verteidigen“. Was Menschen, die Gewalt als Erziehungsmethode verwenden gemeinsam haben, ist der fehlende Respekt vor dem Menschen selbst. Wie könnten sie auch anders als das zu wiederholen was sie selbst fühlen mussten. Wer nie Respekt erhalten hat kann auch keinen Respekt geben. Dieser fehlende Respekt ist die Grundlage für alle weiteren Misshandlungsmethoden. Die heute existierende Gewalt ist der Imprint eines Kontinuums, das sich „vererbt“ durch Lernen. Sicher werden heute keine Menschen mehr vergast, erschossen und in Massengräbern eingescharrt, aber die Gewalt existiert weiter. Die unmenschliche Gewalt lebt weiter. Im Alltag begegnen wir Rassenhass, der sozialen Zange (Kontrolle wie ein Mensch zu leben hat), körperliche, mentale und sexuale Gewalt. Anstatt diese Unmenschlichkeit zu adressieren, finden wir entweder Rechtfertigungen, oder das Thema wird mit einem Kopfschütteln erledigt. Wir haben doch Gesetze, die Gewalt verhindern sollen, sind die überwiegenden Argumente. Die Frage ist, welches dieser Gesetze hat jemals Gewalt verhindert? Warum sind die Gefängnisse voll mit Gewalttätern? Und, wird das verhalten eines Gewalttäters im Gefängnis geändert? Diese Frage wird eindeutig für den bewussten Menschen von der Autorin Dr. Dorothy Otnow Lews in Ihrem Buch „Guilty by Reason of Insanity“ beantwortet, die durch ihre Forschungsarbeit bewies, dass alle Mörder eine misshandelte Kindheit hatten.

Die Wunden dieses Erbes bluten noch heute in denen die keine Heilung ihrer Traumata fanden. Wer sind diese Menschen? Das Erbe von Gewalt hat Ursache und Wirkung. Es ist psychologisch bewiesen, das nur der Erwachsene wieder misshandelt der als Kind misshandelt wurde. Es sind die Opfer selbst, die hilflos unendliches Leid und Torturen ertragen mussten, UND die die Gewalt exekutierten. Beide, Opfer und Misshandler implementieren sub-counciously das erlebte Trauma in die nächste Generation.

Kommen wir wieder auf Hitler zurück and fragen uns ob Hitler diese grausamen Taten alleine hätte ausführen können. Nein, er hatte viele Helfer. Wenn wir deren Kindheitsgeschichte analysieren, entdecken wir ebenfalls das denen das Fundament der Menschenwürde schon in der Kindheit entzogen wurde.

Wenn wir diesen Vergleich auf das heutige Weltbild anwenden, finden wir dieselben fundamentalen Strukturen die Gewalt nähren. Als erstes sollte erkannt werden, dass die meisten Menschen keinen natürlichen Bezug zu Kinderzeugung und Geburt mehr haben. Nach der Geburt wird das Erziehen von Kindern in unserer modernen Generation als Nebensache oder eine Pflicht betrachtet. In den meisten Fällen werden Kinder von anderen Menschen als deren Mütter betreut. Kinder werden heute gesellschaftlich getrimmt. Dadurch werden aber die natürlichen Bedürfnisse nicht erfüllt, die zu einer Persönlichkeitsentwicklung notwendig sind. Unter dem täglichen Stress sind Kinder zusätzlich den Projektionen und Kontrolle der Eltern, Kindergärtnern, Lehrern und den mentalen Vorgaben der Gesellschaft ausgeliefert mit der Erklärung, dass diese ja lernen müssen sich in die Gesellschaft einzufügen.

Wie können Menschen deren Grundbedürfnisse nicht erfüllt wurden, deren Würde auf Menschlichkeit von Geburt an entzogen wurde, nie Respekt erfahren haben und anstatt Zuneigung Unterstützung in ihrer Persönlichkeitsentwicklung erfahren haben, durch Gewalt und Kontrolle geprägt wurden, sich zu menschenwürdigen Individualität entwickeln und eine gesunde und natürliche Basis für weitere Generationen bilden?

Solange wir die noch immer blutenden Wunden der Vergangenheit nicht erkennen und heilen, wird das Muster der Vorgeneration weiter projiziert, weil nicht verstanden wird was Gewalt ist und welche Folgen diese hat und so werden immer wieder kleine und große Hitler produziert.

Sieglinde W. Alexander

Referenzen: (Englisch und Deutsch)

Geburt: Video-Besprechung: Kangaroo Mother Care, Die Wiederherstellung des ursprünglichen Paradigmas für Säuglingspflege und Stillen Nils Bergman, M.D., 2000, VHS, 8 Francis Rd., Pinelands 7405, South Africa www.primal-page.com/d-bergma.htm

Kindererziehung: The Aware Baby: A New Approach to Parenting by Aletha J. Solter, Ph.D. – Book Review by John A. Speyrer http://www.primal-page.com/aware.htm Conclusion From Tears For Trauma by Dr Aletha Solter, Ph.D. Book Review by John A. Speyrer www.primal-page.com/excerpts.htm

Critique by Dr. Aletha Solter to Dr. Paul Vereshack’s Online Book: Help Me I’m Tired of Feeling Bad with response by Dr. Vereshack
www.primal-page.com/pvmar98.htm

Helping Young Children Flourish by Aletha J. Solter, Ph.D. – Book Review by John A. Speyrer http://www.primal-page.com/helping.htm Psychohistory: Hitlers Kindheit: The Political Consequences of Child Abuse by Alice Miller
www.geocities.com/kidhistory/politica.htm

A Pygmy Model for Partnership Relations by Ushanda io Elima www.aaacworld.org/publication/art_ush11.htm

Hidden Cruelty in Child-Rearing and the Roots of Violence Alice Miller www.geocities.com/kidhistory/hidden.htm

Erlernte Gewalt: Guilty By Reason of Insanity by Dorothy O. Lewis, M.D.
www.primal-page.com/guilty.htm

Base Instincts: What Makes Killers Kill? by Jonathan H., MD Pincus

“Childhood abuse hurts the brain” by Ushanda io Elima www.aaacworld.org/publication/art_61.htm

Haunting Shadows from the Past Sieglinde W. Alexander
www.boxbook.com

The Emotional Life of Nations by Lloyd deMause Chapter 4–Restaging Early Traumas in War and Social Violence
www.psychohistory.com/htm/eln04_trauma.html

Wunden heilen The “Inner Healer”: Man’s Innate Drive Towards Wholeness By Pat Törngren www.aaacworld.org/publication/art_71.htm

Child Abuse, Shame, Rage and Violence Mary Katherine Armstrong www.aaacworld.org/publication/art_73.htm

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